CAGLIARI SCHREIBEN UND DIE GEDICHTE VOM MEER
Buchvorstellung am 6.3.2016

Was von der Liebe übrig bleibt? Ja, das fragen sich viele! In diesem Fall ist es ein Buch. Ein blaues Buch voller Texte, Gedichte und Zeichnungen, das tränt vom Schmerz und doch so aufgeräumt in der Welt steht. Es enthält die Wärme, eingefangen auf einer imaginären Insel, wo das Seegras flüstert und Zeus von seinem Sockel steigt, es enthält des Meeres Rauschen und den schwerfälligen Gang über die trockenen Ebenen, Auberginen, Wein und trockenes Brot, und diese Wärme griff sofort auf die Besucher über.

Entzündet wurde das Feuer und eine Stunde lang gehütet nicht nur von der Autorin, die nach der stürmischen Begrüßung weit gereister Freunde schon zerzaust am Tisch mit dem Wasserglas Platz nahm, fortwährend am ungewohnten Headset wedelte, das an just jenem Tag erstmals zum Einsatz kam und die gesamte untere Gesichtshälfte verdeckte, so dass vieles an aufgeregter Mimik hinter diesem Vorhang verschwand. Ein berühmter Fotograf unter den Zuschauern hatte glücklicherweise seine Kamera gar nicht mitgebracht. Nur die Stimme, fest und unangefochten von den Erinnerungen, strömte, durch die gewaltige Lautsprecherbox verstärkt, in alle Ecken der voll besetzten Stadtbücherei. Den Teppich aber, auf dem alle schwebten, die Stimme und die Texte und die Sterne und der häufig beschworene Wind, knüpften die Gitarristen Michael Reiß und Max Fischl (farblich orientiert am Meeresbild), die mit den alten Sehnsuchtsschlagern so jazzig und swingend die verblichenen und schon halb vergessenen Zeiten beschworen, dass auch die Besucher davon ergriffen und von eigenen Erinnerungen überwältigt wurden. Denn vom Süden erzählt dieses Buch, wo Männer zu Göttern werden und Götter wie Männer umarmt.

Kommt das auch drin vor? Natürlich. Alles kommt darin vor, in diesem blauen Buch, limitiert und numeriert, das im Anschluss an die Lesung viele mit nach Hause nehmen wollten. Auch das bittere Ende kommt darin vor. Und zum Trost: a taste of Mirto.

AUSSTELLUNG BAD GRIESBACH
in der Städtischen Galerie

Aus DIE GEHEIMNISSE DER HANDSCHRIFT von Marita Pletter
Passauer Neue Presse, 3. November 2014

: Von der Handschrift wird was erwartet. Transportiert sie doch nicht nur Botschaften, sondern sie ist selber Botschaft, Spiegel geistiger und körperlicher Verfassung. Wie sollte eine aufgewühlte Seele ästhetischem Anspruch genügen? Wie erst jene der Kalligraphie? Gewissermaßen deren Gegenteil – das Ungefasste, Ausufernde, Unleserliche – hat nun die Regener Kunstschaffende und Autorin Anna Wheill stilisiert und gehängt an den Wänden der Stadtgalerie. Jahrgang 1951 ist sie, Studium in München und Florenz. Da zeichnete, malte sie „Bilder von der Schrift“, Schriftbilder, die nicht „schön“ sind, nicht kalligraphischem Anspruch genügen möchten. Im Gegenteil: Denn „Tatjana schreibt“ heißt da ein siebenteiliger Zyklus im Kontext der gleichnamigen Ausstellung. Mit „Tatjana“ nimmt Wheill Bezug auf jene berühmte Szene der Liebesbrief schreibenden Tatjana in Alexander Puschkins Versroman „Eugen Onegin“ und Tschaikowskis Oper, da die Protagonistin beschwört: „Und wär’s mein Untergang ...“ Der war’s eigentlich doch nicht, auch nicht für die Künstlerin, deren Zeichnungen bei den Besuchern der Vernissage gut ankamen. Der zeichnerisch in Szene gesetzten Optik freilich galt dennoch das vornehmliche Interesse, deren Inhalte die Künstlerin selbst erläuterte. Zu deuten gab es nicht allein jenen großformatigen Zyklus, dominiert von, mitunter rot wie Blut durchwirkten, Buchstaben. „Mehr als Wörter bedeuten“, gebe es zu sagen. Eine Art gestischer Abstraktion sieht Wheill. Ihre handarbeitliche Begabung zeigt sich in ihren Werken: Da ist textile Struktur, Regelhaftigkeit. Computer- und Freihandzeichnungen sind zu sehen; sie finden sich eingebunden in „Mustertafeln“, geometrisch, quadratisch, als Bildnisse zu erahnender Relationen eines äußerlich Gerahmten zum Chaos im Innern.

DIALEKT LESUNG IM STIFTER HAUS IN LINZ

: Bunt und wortgewaltig (Engelbert Lasinger) (Heft 1/2009 des Stelzhamerbundes)
"Als Gastleserin aus dem bayerischen Regen überraschte und beeindruckte Anna Wheill. Für die Texte aus der Reihe "Froisd de, ha!" benützt sie den Dialekt ihrer Vorfahren, einer Mundart, die in dieser Form nicht mehr gesprochen wird. Obwohl nicht jedes Wort ihres Werkzeuges Sprache verstanden wurde, kamen trotzdem ihre Erinnerungen an früher, an eine andere Zeit und Welt schmerzhaft zum Vorschein."

AUSSTELLUNG SPOLECNE (Zusammen) in der Städtischen Galerie im Cordonhaus in Cham.

Aus der LAUDATIO von Marcel Fischer (Direktor der Galerien Klatovy/Klenova)

: Anna Wheill stellt sich hier mit Arbeiten aus den letzten Jahren vor. Wir können zwei Werkgruppen unterscheiden. Auf der einen Seite die neuesten Computergrafiken. Dieser Technik widmet sie sich seit den 90er Jahren. Sie basieren auf der Wiederholung geometrischer Elemente, die einem orthogonalen, manchmal diagonalen Raster eingeschrieben sind. Aus der Beziehung einer gesetzten Regel und einer lokalen Störung dieser Regel oder einer leichten Verschiebung, entstehen reiche optische Strukturen. Die Geometrie beinhaltet hier sowohl eine Ordnung, wie auch ein bestimmtes Mass an Chaos, das implizit in dieser Ordnung enthalten ist. Der bedeutende tschechische Kunsthistoriker Jiri Valoch, der sich mit dem Werk von Anna Wheill auseinander gesetzt hat, weist auch auf die Beziehung dieser repetitiven Formel zum Ornament hin. Im übertragenen Sinne erkennen wir hier einen sehr subtilen Bezug zur häuslichen Handarbeit und somit zur Genderproblematik. Die Autorin begann aber in diese geometrischen Felder sowohl handschriftlich Gestisches, wie auch runde Formen einzuführen. Diese waren jedoch wiederum der typischen quadratischen Form vervon ihr bestimmt, einer Form, die oft wie ein Ausschnitt aus einer unendlichen Fläche anmutet. Hier erkennen wir eine neue Art von Beziehungen: zwischen Rechteckigem und Gebogenem, zwischen einer strikten äusseren Umrahmung und einem chaotischen Inneren. Und wiederum verspüren wir hier eine bestimmte Regelhaftigkeit.

  • Abbildungen aus "Schreiben und die Gedichte vom Meer"
  • Abbildungen aus "Schreiben und die Gedichte vom Meer"