Buchvorstellung
Sonntag, den 3. November 2019
17 Uhr
Schloss Buchenau

Kann man Erinnerungen festhalten? Man kann, sagt die Drehbuchautorin. Wenn die Dinge sich nicht fügen, tun es doch die Worte. Sie will die Geschichte ihrer Familie aufschreiben, denn alle bisherigen Fassungen findet sie unzulänglich. Geübt im Konstruieren von Plots, wird sie den Fehler im System schon finden, denkt sie. Auf diese Weise will sie vermeiden, dass die Geschichte, während sie noch daran schreibt, fortwährend ins Wanken gerät und die Kräfte sich verschieben

:HIDDEN WORDS

Eine Ausstellung in der Evangelischen Auferstehungskirche in Regen im Januar 2019

Anna Wheill

WAS IST SCHRIFT?

Aufgeschriebene Sprache? Eine Nachschrift, eine Niederschrift? Eine Mitteilung über Raum und Zeit hinweg, ein Speicher für Botschaften und Mitteilungen.
Die frühen Schriften waren nichts anderes als eine Folge von Zeichnungen, und wir sprechen immer noch von Schriftbild.

DAS SCHREIBEN kommt aus dem Zeichnen, und wenn es hoch her geht, kehrt es zum Zeichnen zurück, wenn die richtigen Worte fehlen, die Gedanken sich überstürzen und von Emotionen gejagt werden.
Die Handschrift bildet alles ab: Atemlosigkeit, Erschöpfung, Jugend, Alter, Traurigkeit, Lebendigkeit. Sie ist ein Spiegelbild der körperlichen Verfassung. Fassung und Fassungslosigkeit. Wenn die Schrift ihre Lesbarkeit verliert und über das Blatt fließt, wenn mehr ausgedrückt werden soll, als die Buchstaben hergeben, mehr als Wörter bedeuten können, wenn die Wörter zu klein sind, die Zeilen zu eng, die Sprache zu trocken, fährt die Linie aus der Zeile hinaus in den Raum.

Worte bestehen aus krummen und geraden Linien wie eine Zeichnung“, schrieb der österreichische Künstler Heinz Gappmayr. Kreis und Quadrat sind die Elemente, in denen jede mögliche Form im Keim enthalten ist. Der Kreis vermittelt die Erfahrung von Schutz und Beengtheit gleichermaßen, während das Quadrat einerseits Stabilität und zugleich Unbeweglichkeit symbolisiert. Werden die beiden Elemente in Beziehung gesetzt, geraten sie in eine unaufhörliche Bewegung, in ein fragiles Gewebe, das zugleich Durchsichtigkeit und Zerrissenheit visualisiert.

Sie bedeckt die Leere, entwirft ein ornamentales Bild, gliedert sich in Kolonnen und Absätze, formt sich zu Blöcken, ruht für Jahrhunderte, verbirgt sich, zeigt sich, offenbart sich und taucht ab, weicht den Wörtern aus und kreist sie ein, fliegt auf und breitet sich aus vor unseren Augen, führt uns in die Irre und will doch gelesen werden: die Schrift.














  • Block 2